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Große Ideen

Große Projekte brauchen mehr Zeit, Planung und oft auch Genehmigungen – aber sie können eure Umgebung nachhaltig verändern. Sie schaffen dauerhafte Strukturen, bieten Raum für Begegnung und zeigen, dass Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt mitwirken können. Solche Projekte erfordern Ausdauer, Verbündete und oft auch Kompromisse. Aber sie hinterlassen Spuren, die bleiben. Mit Engagement, strategischem Vorgehen und den richtigen Unterstützer*innen könnt ihr auch größere Vorhaben umsetzen.

Event auf Brachfläche

Verwandelt eine ungenutzte Fläche in einen Veranstaltungsort!

Ein Event auf einer ungenutzten Fläche oder Brachfläche ist mehr als eine Feier – es ist eine Intervention. Ihr zeigt: Dieser Ort hat Potenzial. Sucht eine Fläche, klärt die Nutzung mit dem*der Eigentümer*in (schriftliche Erlaubnis/Nutzungsvertrag), plant das Programm: Live-Musik, DJs, Workshops, Kunst, Food.

Organisiert Infrastruktur: Bühne, Soundanlage, Strom (Generator oder vorhandener Anschluss), Toiletten, Müllentsorgung. Kümmert euch um Genehmigungen: Ordnungsamt, eventuell GEMA-Gebühren (für Musik), Versicherung. Informiert Anwohner und ladet sie ein. Macht Werbung: durch Plakate, Social Media, lokale Medien. Plant mit mindestens 4–6 Monaten für Organisation, Vorbereitung und Umsetzung. Kosten: 3.000–10.000 Euro (für Technik, Infrastruktur, Künstler*innen), oft über Sponsoring, Crowdfunding oder Kulturförderung finanzierbar.

Ein solches Event zeigt: Ungenutzte Flächen und Brachflächen können mehr. Sie können der Anfang von etwas Dauerhaftem sein.

Event auf Brachfläche

Event auf Brachfläche © Circuleum

Film- & Medienprojekte

Erzählt eure Geschichten!

Film ist ein mächtiges Medium: Ihr könnt Themen setzen, Missstände zeigen, Visionen entwickeln. Erarbeitet ein Konzept: Was wollt ihr erzählen? Wie wollt ihr es zeigen: Doku oder Social-Media-Serie?

Bildet ein Team: Regie, Kamera, Ton, Schnitt, Drehbuch. Organisiert Equipment – fragt bei Jugendkulturzentren, Medienwerkstätten, Schulen oder leiht professionelles Equipment bspw. beim Landes-/ Stadtmedienzentrum. Wenn ihr eure Idee mit einem Smartphone-Video zeigen könnt, verstehen andere sie schnell und ihr könnt Unterstützung finden. Dreht, schneidet, sprecht ein, vertont. Plant mit 3–6 Monaten für ein gutes Projekt. Zeigt euren Film: bei öffentlichen Screenings (Kino, Open Air, Community-Zentren) oder online (YouTube, Instagram, Vimeo). Kosten: 300–5.000 Euro, je nach Aufwand.

Oft gibt es Förderprogramme für Jugendfilmprojekte. Film macht sichtbar, was sonst vielleicht übersehen wird. Er erreicht viele Menschen und kann Debatten anstoßen.

Film- & Medienprojekte

Filmprojekt mit Jugendlichen © Álvaro García

Parklet

Erobert den Raum zurück!

Parklets sind Plattformen, die einen oder mehrere Parkplätze dauerhaft in Aufenthaltsflächen verwandeln – mit Bänken, Pflanzen, manchmal sogar kleinen Bäumen. Sie machen sichtbar, wie viel öffentlicher Raum dem Autoverkehr gewidmet ist und was auf einem Stellplatz sonst passieren kann.

Ihr plant die Aufteilung und Ausstattung (Standard-Parkplatz: ca. 2,5 × 5 m), baut eine stabile Holzkonstruktion und gestaltet sie nach euren Ideen. Material und Baukosten liegen bei etwa 500–2.000 Euro, je nach Größe und Ausstattung. Fragt beim Holzhandel oder bei Gärtnereien nach Materialspenden. Eine detaillierte Anleitung findet ihr hier. Die größte Aufgabe: eine Genehmigung. Parklets stehen längere Zeit im öffentlichen Raum, deshalb braucht ihr eine Sondernutzungserlaubnis von der Stadt. Diese ist oft mit Auflagen verbunden (Sicherheit, Versicherung, Unterhalt). Plant mehrere Monate für Planung, Bau und Genehmigung ein. Sucht Verbündete: lokale Initiativen, Nachbarschaftsvereine, Lokalpolitiker*innen. Plant mit 6–12 Monaten von der Idee bis zur Realisierung.

Ein Parklet ist ein Statement, das zeigt: Hier wollen Menschen Raum zum Leben, nicht nur zum Parken.

Parklet

Parklet als Treffpunkt in der Nachbarschaft © Stadt Wien

Skatepark / Pumptrack selbst bauen

Baut euren eigenen Skatepark!

Skateparks sind teuer – öffentliche Anlagen kosten oft 100.000 Euro und mehr. DIY-Skateparks sind günstiger, brauchen aber Einsatz, Know-how und Geduld. Ein einfacher Kicker, eine Quarterpipe oder eine Rail sind viel wert, wenn sonst niemand dafür sorgt. Sucht eine Fläche, die ihr längerfristig nutzen könnt. Sprecht Sportvereine, Jugendeinrichtungen und das Sportamt an. Klärt mit der Stadt oder dem*der Grundstückseigentümer*in die Nutzung.

Plant eure Rampen und Obstacles – holt euch Unterstützung von erfahrenen Skater*innen, viele haben selbst schon etwas gebaut. Online gibt es Baupläne und Communities, auch Zimmerleute und Schreiner*innen können euch beraten. Organisiert Material und Werkzeug (je nach Planung Beton, Holz, Schrauben – je nach Größe 500–5.000 Euro). Prüft Fördermöglichkeiten: Jugendfonds, Sportförderung, Crowdfunding. Bestenfalls gründet ihr einen Verein als Träger, das ist nicht kompliziert und bestehende Vereine können euch bei der Gründung helfen. Der Verein übernimmt die Haftung und steht bspw. in Mietverträgen. Plant mit ein bis zwei Jahren von der Idee bis zur Eröffnung.

Ein DIY-Skatepark ist ein Statement: Wir bauen uns unseren Raum selbst, weil die Planung uns vergessen hat. Aber er ist auch Verantwortung – für Pflege, Reparaturen und teilweise auch Konflikte mit Anwohner*innen.

Skatepark / Pumptrack selbst bauen

Skatepark / Pumptrack selbst bauen © Betonfreude21 e.V.

Straßenfest / Spielstraße für einen Tag

Erobert euch die Straße!

Straßensperrungen für Feste zeigen: Straßen sind mehr als Verkehrswege. Beantragt beim Ordnungsamt eine Veranstaltung auf einer Straße, eine sogenannte Sondernutzung öffentlicher Verkehrsflächen (für einen Nachmittag, einen Tag oder ein Wochenende). Informiert Anwohner*innen schriftlich, holt euch Unterstützung (bei Nachbarschaftsvereinen, lokalen Geschäften). Plant Aktivitäten: Tischtennisplatten, Streetball, Skate-Rampen, Musik (beachtet den Lärmschutz), eine Grillstation, Liegestühle, Kinderprogramm. Macht Werbung: durch Plakate, Social Media, lokale Presse.

Plant mit 3–6 Monaten für Planung und Genehmigung. Beauftragt eine Firma für die Straßensperrung und eventuell auch Toiletten. Kosten: 500–3.000 Euro (Material, Versicherung, Mietgebühren für Absperrungen und evtl. Toiletten). Prüft Fördermöglichkeiten (Budget des Bezirksbeirats, Quartiersmanagement).

Ein Straßenfest bringt einen Perspektivwechsel und zeigt: Hier lebt eine Gemeinschaft. Es ist öffentlichkeitswirksam und kann der Start für regelmäßige Formate sein.

Straßenfest / Spielstraße für einen Tag

Straßenfest / Spielstraße für einen Tag © HFT Stuttgart

Street Art & Graffiti-Workshop

Gestaltet graue Wände mit Kunst!

Street Art verändert Räume – aus tristen Ecken werden Hingucker, aus Durchgangszonen Orte mit Identität. Organisiert einen Workshop: Ladet lokale Street-Art-Künstler*innen ein, die euch Techniken zeigen und Motive entwickeln. Sucht geeignete Wände in Absprache mit Hauseigentümer*innen oder der Stadt. Holt schriftliche Genehmigungen ein, das schützt euch rechtlich.

Organisiert Material: Spraydosen, Farbe, Schutzkleidung, Abdeckmaterial. Plant das Motiv: Soll es eine Botschaft transportieren? Soll es lokale Bezüge haben? Prüft, ob es Förderprogramme gibt (Kulturfonds, Stiftungen, Kunstförderung). Plant mit 2–6 Monaten von der Idee bis zur fertigen Wand.

Street Art ist auch politisch: Sie zeigt, dass Menschen ihren Stadtteil mitgestalten wollen.

Street Art & Graffiti-Workshop

Street Art & Graffiti-Workshop © PFFFestival Künstlerin: Inga Krause Foto: Thommy West

Temporäre Architektur bauen

Baut temporäre Strukturen im öffentlichen Raum!

Pavillons, pneumatische Konstruktionen, mobile Räume – temporäre Architektur macht sichtbar, was mit einfachen Mitteln möglich ist. Solche Projekte sind oft künstlerisch, experimentell und provokativ. Sie stellen Fragen: Wie wollen wir die Stadt nutzen? Wem gehört der öffentliche Raum? Organisiert Workshops, in denen ihr gemeinsam plant und baut. Lasst euch von Beispielen inspirieren. Nutzt Materialien wie Holz, Stoff, recycelte Gegenstände oder Luftkissen. Holt euch Unterstützung bei: Architekturbüros, Kulturvereinen, Kunsthochschulen. Solche Projekte brauchen Expertise – in puncto Statik, Brandschutz, Sicherheit. Klärt Genehmigungen: Für temporäre Bauten gelten je nach Größe und Standzeit unterschiedliche Auflagen. Plant mit 3–18 Monaten, je nach Komplexität. Kosten: 5.000–15.000 Euro, über Kulturförderung oder Stiftungen finanzierbar.

Temporäre Architektur zeigt: Stadt ist gestaltbar. Sie regt zum Nachdenken an und schafft neue Perspektiven.

Temporäre Architektur bauen

Temporäre Architektur bauen © Raumlabor

Überdachung

Schafft geschützte Treffpunkte!

Zelte, Pavillons, Container und andere temporäre Konstruktionen sind schnell errichtet und bieten Schutz vor Wind und Wetter. Anders als bei dauerhaften Gebäuden sind die Genehmigungen einfacher zu erhalten. Zum Beispiel als Sondernutzung oder sogenannter fliegender Bau. Je nach Größe und Nutzung gibt es unterschiedliche Auflagen zu Standfestigkeit, Brandschutz und maximaler Standzeit.

Sucht eine geeignete Fläche (Brachfläche, Parkgelände, Schulhof) und klärt mit dem Eigentümer die Nutzung. Überlegt, welche Art von Bau zu eurem Zweck passt: Ein Zelt ist mobil, aber nicht wintertauglich. Ein Container bietet mehr Schutz, braucht aber den Transport und oft ein Fundament. Holt euch Unterstützung von Architekt*innen, Handwerker*innen oder Inititativen und Vereinen. Informiert euch beim Ordnungsamt über die Regelungen für fliegende Bauten. Die Anforderungen variieren je nach Bundesland und Art des Baus: Teilweise sind fliegende Bauten ohne aufwendige Genehmigung möglich und dürfen 3–6 Monate stehen, manchmal braucht ihr viele technische Unterlagen. Rechnet mit Kosten von 1.000–5.000 Euro, je nach Bauart. Plant mit 6–12 Monaten für Planung, Genehmigung und Bau.

Ein solches Projekt zeigt: Wir brauchen Orte, an denen wir uns aufhalten können – bei jedem Wetter!

Überdachung

Wettergeschützer Unterschlupf in der Stadt

Urban Gardening

Legt eine grüne Oase an!

Gemeinschaftsgärten sind mehr als bepflanzte Beete – sie sind Orte der Begegnung, des Lernens und der gemeinsamen Action. Sucht eine geeignete Fläche, dazu gehören Brachflächen, Innenhöfe, Straßenbegleitgrün oder Flachdächer. Klärt mit dem*der Grundstückseigentümer*in oder der Stadtverwaltung, ob und wie lange ihr die Fläche nutzen dürft. Oft sind befristete Zwischennutzungsverträge für 2–5 Jahre möglich. Gründet eine feste Gruppe, die Verantwortung übernimmt: Wer kümmert sich um die Pflege? Wer organisiert Treffen? Wer hält Kontakt zur Stadt? Organisiert Hochbeete (ab 100 Euro pro Stück) bzw. Pflanzkübel, Erde, Samen, Gartenwerkzeuge und Wasser zum Gießen. Ladet die Nachbarschaft ein – Gemeinschaftsgärten leben von Vielfalt. Oft gibt es städtische Förderprogramme oder lokale Stiftungen, die solche Projekte unterstützen. Recherchiert frühzeitig. Plant mit mindestens einem Jahr von der Idee bis zum ersten Beet.

Urban Gardening ist politisch: Es zeigt, dass Natur in der Stadt möglich ist und dass Menschen sich um ihren Ort kümmern.

Urban Gardening

Urban Gardening auf einem Parkhausdach © Christian Holl

Wanderbaumallee

Verwandelt eine Straße!

Bäume im Straßenraum verbessern nicht nur das Klima und die Luft, sondern auch die Lebensqualität. Doch das Pflanzen von Stadtbäumen ist teuer und langwierig. Eine Alternative: mobile Pflanztröge auf Rollen.

Ihr baut wetterfeste Holztröge (ca. 80 x 80 cm), befestigt Rollen darunter, füllt sie mit Erde und pflanzt junge Bäume oder große Sträucher ein. Die Pflanztröge können mit den Rollen schnell unterschiedlich angeordnet werden und auch zwischen zwei Orten wandern. Das Projekt zeigt die positiven Effekte von Grün für Atmosphäre und Lebensqualität. Plant mehrere Monate ein: Ihr braucht Material (Holz, Schrauben, Rollen, Erde – pro Trog etwa 200-300 Euro und ca. 50-300 Euro für eine Pflanze/Baum), Werkzeug, handwerkliches Geschick und Helfer*innen. Eine genaue Anleitung findet ihr unter: How to Wanderbaumallee. Wichtig: Klärt mit dem Ordnungsamt oder dem*der Bezirksbürgermeister*in, wo die Tröge stehen dürfen. Meist braucht ihr eine Sondernutzungserlaubnis, die zeitlich befristet ist. Anschließend können die Pflanzen zum nächsten Ort umziehen. Überlegt auch, wer sich um die Pflege (Gießen, Schneiden) kümmert. Sprecht dafür auch Läden, Büros und Anwohner*innen an.  Plant mit 3–6 Monaten von der Planung bis zur ersten Aufstellung. Wanderbaumallee

Das Projekt ist öffentlichkeitswirksam und eignet sich gut, um eine Debatte über die Gestaltung der Straßen anzustoßen.

Wanderbaumallee

Aufenthaltsqualität und Nachbarschaftstreffpunkt © Wanderbaumallee Stuttgart

Zwischennutzung

Erweckt ungenutzte Orte zum Leben!

Brachflächen, leerstehende Gebäude, Flächen unter Brücken – überall dort, wo nichts passiert, ist Platz für eure Ideen. Der Schlüssel: Zwischennutzungsverträge. Findet heraus, wem die Fläche gehört (fragt Nachbar*innen, Stadtplanungsamt oder Bauamt). Kontaktiert die Eigentümer*innen und stellt ihnen euer Konzept vor: Wer seid ihr? Was habt ihr vor und wieso? Gibt es hierfür schon Beispiele? Wie lange braucht ihr die Fläche? Oft sind Eigentümer*innen froh, wenn jemand ihre Fläche belebt und pflegt. Verträge sind meist befristet, von einem halben Jahr bis drei Jahre.

Macht eure Idee frühzeitig bekannt und sucht Verbündete – für Planung, Finanzierung, Veranstaltungen, Workshops, Kunst, Urban Gardening. Überlegt, was ihr braucht und organisiert die Infrastruktur: Strom, Wasser, Toiletten, Versicherung. Die Kosten variieren stark, je nach Fläche und Nutzung. Oft unterstützen Kulturförderung oder Firmen-Sponsoring. Plant mit 6–12 Monaten vom ersten Gespräch bis zur Eröffnung.

Solche Projekte zeigen: Hier ist Potenzial. Sie können Vorboten für dauerhafte Nutzungen sein. Aber sie brauchen Durchhaltevermögen.

Zwischennutzung

Zwischennutzung auf Brachfläche © contain't e.V.