Kleine Ideen
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Kleine Projekte können viel bewirken und sind oft gar nicht so aufwendig. Sie machen für euch wichtige Themen sichtbar, verändern Räume auf einfache Weise und machen deutlich, wie öffentlicher Raum anders genutzt werden könnte. Mit ein wenig Planung und Einsatz könnt ihr Orte neu gestalten und auf Missstände und gute Ideen aufmerksam machen.
Botschaften/Forderungen
Macht eure Anliegen sichtbar!
Straßenkreide und Projektionen sind einfache Mittel, um Botschaften in den öffentlichen Raum zu bringen.
Mit Kreide könnt ihr Fragen stellen: Wie viele Bäume braucht diese Straße? oder Wo sollen Jugendliche hin? Die Botschaften sind temporär – der nächste Regen wäscht sie weg. Plant die Aktion für einen Tag mit viel Publikumsverkehr, macht Fotos und teilt sie online.
Alternativ: Besorgt euch einen leistungsstarken Beamer und projiziert eure Botschaft abends auf die Fassade vom Rathaus, ein anderes öffentliches Gebäude oder eine gut sichtbare Wand. Ladet Freunde und die Presse ein, macht daraus ein kleines Event.
Die Wirkung liegt in der Sichtbarkeit: Viele Menschen sehen die Botschaft, es entstehen Gespräche.
- Wichtig: Fragt im Vorfeld, ob die Projektion erlaubt ist – meist gibt es keine Probleme, solange ihr niemanden blendet und keine Sachbeschädigung entsteht.
- Kosten: etwa 10 Euro für Straßenkreide, ggf. Leihgebühr Beamer (bspw. bei der Landes-/Stadtmedienzentrale)
- Zeitaufwand: ein bis zwei Tage für Vorbereitung und Umsetzung
Botschaften und Forderungen am Stuttgarter Rathaus © Simon Wallenda
Guerilla Gardening
Erweckt triste Ecken zum Leben!
Ungepflegte Baumscheiben, brachliegende Beete und asphaltierte Restflächen – überall dort könnt ihr Grün schaffen. Besorgt Wildblumensamen (pflegeleicht und insektenfreundlich), Erde und Gießkannen. Plant die Aktion gemeinsam: Wo wird gepflanzt? Wer kümmert sich um die Pflege? Setzt robuste Pflanzen, die auch ohne tägliches Gießen zurechtkommen. Ein kleines Schild (Wir kümmern uns) zeigt, dass es kein Vandalismus ist.
- Wichtig: Auf öffentlichem Grund kann die Stadt das Bepflanzen als unerlaubt ansehen. In der Praxis wird es oft geduldet, wenn es ordentlich aussieht. Besser: Fragt vorher beim Grünflächenamt nach oder startet eine offizielle Baumscheiben-Patenschaft
- Kosten: etwa 10–30 Euro für Samen und Erde (fragt bei Baumarkt/Gärtnerei nach eine Spende, bei Stadtreinigung oder Abfallwirtschaft, bekommt man oft günstig Kompost und Erde)
- Zeitaufwand: ein halber Tag zum Pflanzen, danach gelegentliche Pflege
Triste Baumscheibe wird ein kleiner Garten © Kleine Wildnis Stuttgart
Markierungen
Zeichnet auf, was alles möglich ist!
Im öffentlichen Raum ist oft eine Nutzung dominant, z. B. der Autoverkehr. Mit Straßenkreide oder Klebeband könnt ihr diese Flächenverteilung sichtbar machen: Zeichnet bspw. eine Fläche in der Größe eines Wohnzimmers, einer Tischtennisplatte oder eines Spielplatzes auf den Boden. Stellt Stühle, Pflanzen oder Spielgeräte auf. Ihr könnt auch selber ein Labyrinth und viele andere Spiele austüfteln.
Wählt eine Zeit, in der viele Menschen vorbeikommen, und dokumentiert die Aktion mit Fotos. So bringt ihr Leute zum Nachdenken und Diskutieren darüber, wie Flächen verteilt sind und wofür sie genutzt werden können.
- Wichtig: Die Aktion ist temporär und braucht keine Genehmigung, solange ihr niemanden behindert – Stadtreinigung oder Regen entfernen die Markierungen wieder.
- Kosten: mindestens 10 Euro für Straßenkreide, Klebeband oder Kreidespray
- Zeitaufwand: wenige Stunden
Open-Air-Kino
Verwandelt öffentliche Plätze in Begegnungsorte!
Ein Filmabend unter freiem Himmel bringt Menschen zusammen und zeigt, dass öffentliche Räume mehr sein können als Durchgangszonen. Ihr braucht: Beamer, Leinwand (oder eine weiße Hauswand), Stromanschluss, Lautsprecher und Sitzgelegenheiten (Decken, Kissen, Bänke). Plant den Ablauf: Wann ist es dunkel genug? Welcher Film passt für ein diverses Publikum? Macht Werbung über Social Media, Aushänge oder Mund-zu-Mund-Propaganda.
Ein solcher Abend zeigt, wie öffentlicher Raum belebt werden kann, und schafft Gemeinschaft.
- Wichtig: Prüft beim Ordnungsamt, ob ihr eine Genehmigung braucht – bei kleinen, nicht-kommerziellen Veranstaltungen reicht oft eine formlose Information. Zeigt Filme nicht öffentlich, bevor ihr beim Filmverleih nachgefragt habt, und sagt, dass ihr einen gemeinnützigen Zweck habt.
- Kosten: Leihgebühren für Technik (bspw. bei der Landes-/Stadtmedienzentrale)
- Zeitaufwand: mindestens drei Wochen für Organisation und Werbung
Sitzmöglichkeiten
Schafft Aufenthaltsqualität, wo keine ist!
Fehlende Sitzmöglichkeiten sind ein Signal: Hier ist Aufenthalt nicht erwünscht. Mit selbstgebauten Hockern oder Bänken könnt ihr das ändern. Nutzt Holzreste, Paletten oder andere Materialien und baut einfache Sitzmöbel. Anleitungen gibt es online, z. B. bei Hartz4Möbel. Wenn ihr keine Möglichkeit zum Selberbauen habt, könnt ihr auch gebrauchte Stühle sammeln und dekorieren oder farbig bemalen.
Plant einen Workshop-Tag ein, an dem ihr gemeinsam arbeitet, und achtet auf stabile Konstruktionen. Bringt ein kleines Schild an: Für alle oder Nehmt platz. Stellt die Möbel an Orte, wo sie gebraucht werden. Wenn die Möbel bleiben, zeigt das: Hier kümmern sich Menschen um ihren Ort.
- Wichtig: Ein Gespräch im Vorfeld hilft, damit die Stadt und Anwohner*innen die Möbel nicht entfernen, sondern sich bei euch melden. Fragt beim Ordnungsamt nach oder sprecht mit euren Bezirksbürgermeister*innen.
- Kosten: Farbe etwa 5 Euro pro Hocker oder Stuhl, Baumaterial etwa 20–50 Euro pro Hocker (oder fragt bei Handwerksbetrieben und Baumärkten nach Materialspenden)
- Zeitaufwand: zwei bis drei Tage für Planung und Bau
Sticker-Aktion
Macht ungenutzte Orte oder fehlende Infrastruktur sichtbar!
Sticker mit Botschaften wie Hier fehlt eine Bank! oder Wieso ist der nächste Baum weiter weg als die nächste Bushaltestelle? lenken Aufmerksamkeit auf städtebauliche Mängel. Macht die Sticker bspw. mit Stickerpapier + Marker oder Klebeband + Marker selbst oder lasst sie online drucken. Klebt sie gezielt an Orte, wo ihr einen Hinweis geben wollt: auf leerstehende Gebäude, vermüllte Ecken, unsichere Orte oder gefährliche Straßen.
Die Wirkung liegt im Wiedererkennen – wenn Sticker an verschiedenen Orten auftauchen, wird die Botschaft stärker. Die Aktion ist eine niedrigschwellige Form der Kommunikation, die zum Nachdenken anregt.
- Wichtig: Klebt nicht ohne Erlaubnis auf fremdes Eigentum und vermeidet Flächen, bei denen die Entfernung Schäden verursachen könnte.
- Kosten: etwa 10-20 Euro für Stickerpapier und Marker, etwa 20 Euro für 100 Sticker bei Online-Druckerei
- Zeitaufwand: wenige Tage für Design, Druck und eine gemeinsame Klebeaktion
Temporäres Parklet
Verwandelt einen Parkplatz!
Viele Parkplätze sind die meiste Zeit leer – aber was, wenn diese Fläche anders genutzt würde? Markiert eine Parkplatzfläche mit Straßenkreide und gestaltet sie für einige Stunden um, bspw. mit Paletten, Kissen, Pflanzen, Planschbecken, Teekanne und Sitzmöglichkeiten. Achtet auf die Wettervorhersage und wählt Tage mit viel Aufmerksamkeit, z. B. am Wochenende. Informiert vorher die Anwohner*innen, macht Fotos, teilt sie online und dokumentiert, wie das Experiment angenommen wird.
Solche Aktionen machen die Debatte über Flächengerechtigkeit konkret erlebbar.
- Wichtig: Die Aktion braucht keine Genehmigung, wenn sie zeitlich begrenzt ist (in der Regel maximal ein Tag) und den Verkehr nicht gefährdet. Dennoch: Informiert das Ordnungsamt vorab – das schafft Transparenz und verhindert Missverständnisse.
- Kosten: kostenlos oder minimal, wenn ihr die Ausstattung ausleihen oder mitbringen könnt
- Zeitaufwand: zwei Tage für Planung und Vorbereitung, ein Tag für Aufbau, Durchführung und Abbau