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Was ist gute Beteiligung?

Beteiligung gehört bei städtischen Planungsvorhaben zum Standard. Doch manchmal wird sie nur als notwendige Pflicht angesehen und der Beteiligungsprozess ist nicht gut gemacht. Hier findet ihr eine Checkliste, die euch dabei hilft, gute Beteiligung zu erkennen und Alibi-Beteiligung zu entlarven.

Phase 0

Sind wir von Anfang an mit dabei?
Wenn eine Beteiligung startet, sind manchmal schon viele Entscheidungen im Vorfeld getroffen worden. Oft wurde z. B. schon entschieden, wie die betreffende Fläche genutzt werden soll – als Platz, Wohnbebauung, für Geschäfte usw. In der Fachsprache sagt man dazu Nutzung. Vielleicht habt ihr andere Bedarfe, wollt z. B. nicht nur neue Läden, sondern braucht auch Orte, an denen ihr euch einfach treffen und zusammen sein könnt, ohne etwas zu kaufen (sogenannte konsumfreie Orte). Um diese Bedarfe einzubringen, ist es dann aber oft schon zu spät. Daher solltet ihr zukünftig einfordern, ab Phase 0 dabei zu sein und mitzureden, wenn es um die Basics geht. Konkret heißt das: Was soll auf einer Fläche entstehen? Welches Ziel soll mit der Neuplanung überhaupt erreicht werden? Welches Angebot soll geschaffen oder welches Problem gelöst werden?

<p>Aufsuchende Befragung © Ferdinando Iannone</p>

Aufsuchende Befragung © Ferdinando Iannone

Zugänglichkeit

Wer macht bei der Beteiligung mit?
Um bei einer Beteiligung mitzumachen, muss man überhaupt erst mal davon wissen. Ein Aufruf in der Zeitung erreicht nur die, die Zeit haben, sie zu lesen, die sich die Zeitung leisten können, die (Deutsch) lesen können. So machen immer nur die Gleichen mit. Daher ist es entscheidend, dass diverse Gruppen von der Beteiligung erfahren.

<p>Beteiligung da wo die Menschen sind © Ferdinando Iannone</p>

Beteiligung da wo die Menschen sind © Ferdinando Iannone

Formatvielfalt

Werden verschiedene Gruppen erreicht? 
Gute Beteiligung zeichnet sich durch unterschiedliche Formate aus, die unterschiedliche Menschen ansprechen. Sie geben euch wichtige Infos rund um die Planung und den Beteiligungsprozess. Sie stellen klar, welche Entscheidungen ihr beeinflussen könnt. Sie nutzen Modelle, damit ihr euch die Räume und Orte besser vorstellen könnt. Sie sind vielfältig, kreativ und veranschaulichen die komplexen Zusammenhänge. Einfach nur Post-its auf Wunschlisten kleben, ist schlechte Beteiligung.

<p>Für jede*n das passende Format © Studio Malta</p>

Für jede*n das passende Format © Studio Malta

Prozessqualität

Woran erkennen wir ein gutes Beteiligungsformat?
Gute Formate empowern euch, qualifizierte Beiträge zu leisten. Sie sind kreativ und helfen euch dabei, auch als Laien Ideen zu entwickeln. Wenn nur Wünsche abgefragt werden, hat dies wenig Aussagekraft. Planung ist anstrengend und nicht immer kann alles umgesetzt werden. Oft müssen Politik und Verwaltung zwischen unterschiedlichen, auch widersprüchlichen Interessen abwägen. Konflikte gehören zu Planungsprozessen dazu und müssen sichtbar gemacht werden.

<p>Protestplakate © Studio Malta</p>

Protestplakate © Studio Malta

Transparenz

Welche Informationen sind verfügbar und wie wird weitergearbeitet?
Die Rahmenbedingungen der Planung müssen offengelegt werden, damit ihr Zusammenhänge verstehen und euch eine fundierte Meinung bilden könnt. Welche Daten zu Themen wie Verkehr, Klima, Flächenanteilen usw. sind verfügbar? Wer sind die Nachbar*innen? Weiß man schon etwas über deren Interessen? Außerdem muss der Beteiligungsprozess an sich transparent sein. Wer wird wie einbezogen? Was geschieht mit den Ergebnissen? Das sollte die Stadt vorab klarstellen!

<p>Workshop-Setting © Studio Malta</p>

Workshop-Setting © Studio Malta

Kontinuität

Werden Jugendliche dauerhaft miteingebunden?
Gerade bei Planungen, die viele Jahre dauern, müssen wiederkehrende Beteiligungsformate vorgesehen sein. Falls nein: Fordert das ein! Stadtplanung ist immer jugendrelevant und ihr müsst bei Entscheidungsprozessen eingebunden werden. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

<p>Prozessplan © Studio Malta</p>

Prozessplan © Studio Malta

Prozesskritik

Ist der Prozess an sich zu kritisieren?
Gute Beteiligung ermöglicht Kritik. Wenn ihr mit dem Prozess an sich nicht einverstanden seid, z. B. weil ihr etwas unfair findet oder weil ihr die Formate nicht gut findet, solltet ihr versuchen, Einfluss auf die Prozessgestaltung zu nehmen. Dazu müsst ihr Wege finden, um Druck auf die Verantwortlichen zu machen.

Beteiligungsleiter