Wie plant die Zivilgesellschaft?
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Zivilgesellschaftliche Akteur*innen organisieren sich selbst und sind deshalb flexibler als die städtische Politik und Verwaltung. Ihre internen Prozesse kommen oft schnell voran. Für die Umsetzung brauchen die Beteiligten aber oft große Ausdauer und viel Engagement. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen euch, wie Planungsprozesse ablaufen, die von unten angestoßen werden.
Wie entsteht ein Platz von und für die Nachbar*innen?
Schützenplatz, Stuttgart-Mitte
Jahrelang liegen die städtischen Pläne zur Umgestaltung einer unübersichtlichen Kreuzung in der Schublade. Doch dann machen die Nachbar*innen eigene Vorschläge und treiben die Planung voran. Wie aus der Kreuzung ein lebendiger Platz für die Menschen im Kernerviertel geworden ist, erfahrt ihr, wenn ihr auf Play drückt.
2001
Beginn kommunaler Planung
- Erste kommunale Planung einer Umgestaltung von Kreuzung und Parkplatz
2013
Nachbar*innen organisieren sich
- Bekanntwerden städtischer Planung
- Nachbarschaftsinitiative organisiert Treffen und entwickelt Alternativvarianten zur Umgestaltung des Platzes
- Bezirksbeirat stimmt für die Umgestaltung
- Fehlende Finanzierung führt zur Verschiebung der Maßnahme
2016
Aktivierung durch Experimente
- Nachbarschaftsinitiative richtet in einem ehemaligen Getränkemarkt einen Infoladen ein
- Kooperation mit einem Forschungsprojekt der Uni Stuttgart, mehrfache Umgestaltung des Parkplatzes durch Experimente mit Parklets (2016 und 2022)
- Nachbarschaftsinitiative und Bezirksbeirat diskutieren eigene Entwürfe
- Beschluss zur Platzumgestaltung, Finanzierung durch die Stadtentwicklungspauschale
2017
Verein Casa Schützenplatz
- Gründung des Vereins Casa Schützenplatz e. V. zur dauerhaften Mitwirkung der Nachbar*innen an der (Um-)Gestaltung des Platzes
- Der Verein nutzt die Lücke im Planungsablauf auf eigene Initiative, stellt wiederholt Anträge für Veranstaltungen, Umgestaltungen und Fördergelder
2018
Beteiligung
- Beteiligung der Nachbar*innen zum Planentwurf der Stadt in einem Workshop vor Ort und einer öffentlichen Bezirksbeiratssitzung
- Verwaltung überarbeitet Planung auf Basis des Entwurfs der Nachbarschaftsinitiative
- Weitere Workshops mit Nachbar*innen am Schützenplatz: Ideen wie Trinkbrunnen, Fahrradbügel und Urban Gardening werden gesammelt
2019
Förderprogramm Nachbarschaft selbstgemacht
- Das Kulturamt nimmt das Projekt in das Förderprogramm Nachbarschaft selbstgemacht auf
2022
Baubeginn
- Nach Verschiebung durch Kanal-Bauarbeiten in der Kernerstraße beginnt die Baumaßnahme
- Die Kreuzung wird umgestaltet: Pflanzbeete, Möblierung, Querungshilfen und Baumpflanzungen entstehen
2023
Einweihung
- Einweihung des umgestalteten Platzes mit einem großen Fest
- Der Verein besteht weiter und fördert das nachbarschaftliche Leben
Welche Akteur*innen sind beteiligt? Was ist ihre Rolle?
Wie entsteht ein experimenteller Ort?
Container City, Stuttgart-Nord
Der Kunstverein Wagenhalle e. V. hat seine Produktionsstätte in einer alten Wagenhalle. Damit diese saniert werden kann, müssen die 150 Künstler*innen ihre Ateliers verlassen. Sie wollen in der Nähe bleiben und haben die Idee, auf einer angrenzenden Brachfläche ein Interimsquartier zu bauen. Wenn ihr wissen wollt, wie die Künstler*innen es geschafft haben, eine kleine Stadt aus Containern zu errichten, drückt auf Play.
Kulturschutzgebiet Innerer Nordbahnhof © Ferdinando Iannone
2014
Anlass
- Künstler*innen müssen während der Sanierung ihren Atelier-Standort verlassen
- Idee eines Künster*innen-Quartiers auf Zeit
- Planer*innen-Team im Kunstverein gestaltet einen kooperativen Prozess zum Entwurf und zum Bau des Interimsquartiers
2015
Kooperative Planung
- Planer*innen organisieren Workshops zur Klärung der Raumbedarfe und sammeln Ideen für die Nutzung vorhandenen Materials
- Container als Bausteine für das Interimsquartier
- Planungsteam erarbeitet einen städtebaulichen Entwurf mit Baufeldern, öffentlichen Räumen und Wegen
- Viele Absprachen mit städtischen Behörden, um gesetzliche Vorgaben (z. B. Brandschutz) einzuhalten
- Liegenschaftsamt verpachtet an den Kunstverein Wagenhalle e.V. die Brachfläche
2015 – 2016
Umsetzung durch die Künstler*innen
- Künstler*innen schließen sich in Baugemeinschaften zusammen und bauen ihre Ateliers selbst
- Sponsoren und Spenden werden eingeworben
- Schwierige Bauprojekte werden mit Partner*innen umgesetzt
- Angehende Vermessungstechniker*innen übertragen den Entwurf auf den Baugrund
- Fundamente setzt ein Fachbetrieb gemeinsam mit den Künstler*innen
- Container werden von Spezialfirma mittels Autokran auf die Fundamente gesetzt
- Künstler*innen machen den Innenausbau der Container selbst
2016, August
Ausbau der öffentlichen Räume: Bauschule ’16
- Baufestival Bauschule ’16 zur Gestaltung der öffentlichen Räume
- Nach dem Design-Build-Prinzip werden Ideen entwickelt und anschließend direkt umgesetzt: Marktplatz, grüne Oase, Lichtinstallation und Prototyp einer Sitzbank mit Mülleimer entstehen
2016, Oktober
Eröffnung
- Das Interimsquartier mit Ateliers, Büros, Werkstätten, Ausstellungsflächen, Bandproberäumen und einer Bar ist fertig
2018
Container City im Siegerentwurf Rosenstein
- Im Siegerentwurf des Rosenstein-Wettbewerbs sind Wagenhalle und Container City als Identitätsanker für eine neue Maker City eingeplant
2019
Zukunftsvision: Transformation C1/C2
- Der Kunstverein erarbeitet mit dem benachbarten Projekt Stadtacker eine Vision des Ortes, um die entstandenen Qualitäten weiterzuentwickeln
2020
Wiedereröffnung der Wagenhalle
- Die Halle ist fertig saniert und die Künstler*innen ziehen in ihre neuen Ateliers ein
- Die Container City besteht weiter, teils ziehen neue Nutzer*innen ein
2024 – 2025
Abbau der Container City
- Die Container City wird abgebaut, weil die Fläche Teil des geplanten Rosensteinviertels ist und dort in den nächsten Jahren gebaut wird
Welche Akteur*innen sind beteiligt? Was ist ihre Rolle?